Parc Adula

 Von der Surselva herauf ins Sonnental

Von der Surselva herauf ins Sonnental 

Von den Surselver Ziegen kaum verabschiedet, begrüssen wir weiter südlich schon Blenieser Alpkühe. Ein Lehr- und Wanderweg durch die Alpenflora, der drei Tage dauert.

 

Im Unterschied zu Goethes Lehr- und Wanderjahren dauert er zwei bis drei Tage. Er ist ein Bestandteil des geplanten Nationalparks Adula: der Saumweg Via Lucmagn. Er führt vom Benediktinerkloster in Disentis über den Lukmanierpass am Centro Uomo Natura vorbei nach Olivone. Das Kloster spielte einst durchaus eine regionalpolitische Rolle. Der uralte Weg besass schon in der Vergangenheit strategische, wirtschaftliche, politische und religiöse Bedeutung. Im Gegensatz zu anderen Alpenüberquerungen war und ist dieser Pass gut begehbar und leicht zugänglich. Was wir heute an der angestrebten, möglichst durchgehenden Winteröffnung ersehen können. Ruhm und Reichtum genoss die Via Lucmagn schon in der Antike und im Mittelalter, wird auf der Webseite www.kulturwege-schweiz.ch dazu erklärt.

 

Verschwundener Wald

Lucmagn steht für einen lucus magnus, einen grossen Wald. Der ist allerdings schon im Jahr 1000 verschwunden, um Weideflächen Raum zu geben. Abgeholzt im Namen der Alpbewirtschaftung. Nur noch der Arvenwald von Selvasecca im Herzstück des Wanderwegs lässt ahnen, was unsere Vorahnen noch sahen, einen grossen Wald. Auf diesem Weg entdecken wir viele Zeugen der Vergangenheit und der gegenwärtigen Zukunft, wenn dereinst der bikantonale Nationalpark wirklich Realität werden sollte. Kapellen liegen am Weg, um die heidnischen Naturgewalten in den Griff zu bekommen oder zumindest zu besänftigen. Fragmente alter gemauerter Wege, rurale Bauten und Landschaftsformen des Weidnutzens.

 

Vom Norden in den Süden

Die ganze Route ist geprägt vom Einfluss der Benediktiner, man könnte auch sagen von den Herren des Klosters von Disentis. Wallfahrts- und Käseweg in einem, aber halt auch militärisch-politische Passkontrolle. Spuren der Moderne stellen hingegen die Staumauer des Santa Maria und die neuen Strassenverbindungstunnellierungen zwischen dem Bündnerland und dem Tessin dar. Die Via Lucmagn ist nicht allein ein Kulturpfad, sondern auch ein Weg vom Norden in den Süden im Paket. Ein heute vielbefahrener, der sich so eindrücklich allerdings nur dem Fusspilgerer in dieser Dreitages-Etappe zeigt. An jedem Etappenhalt gibt es kulinarisch etwas Neues zu probieren und die örtlich dominanten Dialekte zu hören.

 

Ticino Weekend, Tessiner Zeitung